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17. Therapeutischer Segeltörn des Sterntaler e.V.

Die Vorbereitungen liefen an mit dem Aussuchen der in Frage kommenden Jugendlichen auf den zwei Stationen, der 6 Ost/West (Somatik) und der 8 Ost (Psychosomatik). Herr Kleinrath hat wie so oft die Aufgabe übernommen, die Elternhäuser der Kinder anzuschreiben und die Rückmeldungen zu sammeln. Neu in diesem Jahr war, dass die Hälfte der Jugendlichen von der Station 8 Ost kamen und zum ersten Mal mit fuhren. Sie waren uns Betreuern auch nicht persönlich bekannt. So holte ich in einem längeren Gespräch mit den Mitarbeitern der 8 Ost einige wichtige Informationen ein. Neu für einen Sterntaler-Segeltörn war, dass dieses Mal zwei Diabetiker mit fuhren. Dieses bedurfte einer besonderen Vorbereitung. So mussten für die beiden Patienten genügend Materialien, wie Insulin und Pumpenzubehör zur Sicherheit, mit genommen werden. Auch wurde dafür eine einfache Küchenwaage und ein kleiner Taschenrechner angeschafft, damit eine Berechnung der Kohlenhydratheiten (KE, — früher Broteinheiten, BE) für die Insulinmengengaben möglich war.

Die Reise selbst begann mit durchwachsenem Wetter und heftigem Wind. Über das dänische Bagenkop ging es weiter in Richtung Westen. Eine Nachtfahrt wurde durch Regen und einschlafendem Wind getrübt. Der folgende Tag war warm, teils wolkig und sonnig. Mitten auf der offenen See flaute der Wind ab. Eine Stunde Badezeit konnte den Wind nicht locken, so dass wir unter Motor weiter fahren mussten. Bei Hiddensee lagen wir dann vor Anker. Bei der Weiterfahrt schlug das Wetter um und wasserfeste Hosen und Jacken waren angesagt. Auch litten viele »Segler« unter der Seekrankheit. So blieben wir für drei Tage in Kloster auf Hiddensee fest am Anleger liegen. Bei Windstärken bis 7 wollte unser Schiffsführer Carsten nicht mit uns raus fahren.

Wir und auch das Wetter erholten sich. So konnte es nach drei Tagen endlich weiter gehen. Vor der Insel Mön (DK) lagen wir wieder vor Anker. Ein besonderes Erlebnis war das Abendessen am Strand bei einem Lagerfeuer. Die »Fortuna« ankerte etwas weiter vom Strand weg. Mit dem Beiboot, das 7 Personen fasste, musste dann alles, Menschen sowie Verpflegung an Land gerudert werden. Zwei Jungen übernahmen die Ruderfahrten. Da es dann doch nach einer wunderschönen Zeit am Feuer spät wurde und die Kinder recht müde waren, erleichterte der Außenbordmotor den Rücktransport erheblich.

Das nächste Ziel war Cap Arcona. Auch hier blieben wir vor Anker liegen. Der Wind wies uns den Weg wieder nach Mön in den Hafen von Klintholm. Nach einer Nacht im Hafen wollten wir früh wieder auf die See hinaus. Um dann schnell mit den Segeln Fahrt aufnehmen zu können, musste die Vorsegelgruppe schon ins Klüvernetz. Die beiden Jugendlichen mit ihrem Diabetes hatten zuvor noch ihre Insulinpumpen zu sichern, damit nicht mehrere Tausend Euros im Hafenbecken versanken. Bei gutem Wind kamen wir rasch voran. Aber mitten auf hoher See blieb der Wind erneut aus. Diese Zeit nutzten wir, um unter Motor das »Mannüberbord«-Manöver zu üben. Doch der Wind wollte noch immer nicht kommen — also war Baden angesagt. Der Nachmittag verging und der Wind blieb weiterhin aus. Unter Motor setzten wir dann die Fahrt fort und legten das Schiff beim nahe gelegenen Cap Arcona vor Anker. Hier setzten wir das in Klintholm begonnene künstlerische Projekt mit Brettern und Farbe zum Thema »Fortuna« fort. Es ist für mich bis heute äußerst erstaunlich, mit welchen einfachen Mitteln und unter welchen spartanischen Bedingungen Ulli Kleinrath und Katja Schulz so hochwertige Ergebnisse aus den Jugendlichen hervor locken konnten. Die Reise ging jetzt dem Ende entgegen. In Sassnitz erwartete uns schlechtes Wetter und wer am Anfang der Fahrt noch nicht nass wurde, der wurde es jetzt.

Bei den täglichen abendlichen Teambesprechungen zwischen Betreuern und der Schiffscrew bemerkte unser Schiffführer Carsten, der seit sechs Jahren auf der »Fortuna« mit vielen unterschiedlichen Gruppen Fahrten unternimmt, dass das Konzept des Sterntaler e.V. seiner Meinung das schlüssigste ist und das beste »Ergebnis« hervor bringt ist, was sich besonders in der Entwicklung bei einigen Jugendlichen zeigte:

Natürlich werden auch Probleme der Jugendlichen offensichtlich, die nach der Fahrt mit den Elternhäusern angesprochen werden.

Als Fazit ziehe ich, dass bei der nächsten Fahrt auch ein Mitarbeiter/in von der Station 8 Ost mit fahren sollte. Denn bei dieser Fahrt zeigte sich ganz schnell, dass die theoretischen Informationen, die vorab erhielten, für solch eine Fahrt nicht ausreichen. Auch sollten die gewonnenen Erlebnisse mit den Jugendlichen, die von der Station 8 Ost betreut werden, unmittelbarer in diese Gruppe fließen.

In all den Jahren der »Sterntaler«-Segelfahrten stellte ich mir immer wieder die Frage, ob der finanzielle und zeitliche Aufwand für so eine Unternehmung gerechtfertigt ist. Nachdem ich diesen Sommer das erste Mal selber als Betreuer an Bord war, ist meine Antwort eindeutig ja! Wenn man sieht, wie sich die Jugendlichen bei und durch solch eine Therapeutische Fahrt entwickeln, muss man sagen, dass sich aller Aufwand unbedingt lohnt.

Christoph Giesen
Station 6 Ost/West

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